Was heißt "beziehungs-orientiert"?



Was heißt eigentlich "beziehungs-orientiert"?
Wir sind viel dichter bei den Tieren, als uns lieb ist. Als "animalische" Spezies gehören wir Menschen zu den Rudeltieren. Als Rudeltiere sind wir „beziehungshungrige“ Wesen. Auf andere bezogen zu sein und im Verbund des Rudels zu leben, ist in unserem genetischen Code vorprogrammiert.
Für Rudeltiere gilt: Nur gemeinsam sind wir stark!
Auch wenn wir gelernt haben sollten, es sei angeblich besser, als "Einzelkämpfer" durchs Leben zu gehen, nur im Rudel, das heißt: in wechselseitiger Bezogenheit sind wir gemeinsam stark. Ohne Beziehung ist gegen unsere "animalische Natur".
Dank der Hirnforschung wissen wir: Unser Oxytocinspiegel steigt, wenn unsere Beziehungshunger gestillt wird, das heißt: unsere Beziehungsbedürfnisse gesehen, gewertschätzt und angemessen beantwortet werden. Das reduziert Stress und schafft Befriedigung und Erfüllung bei dem was wir tun.
 Was heißt "Bezogenheit" bzw. "Beziehungsorientiertheit" in der professionellen Arbeit?

Eine märchenhafte Geschichte ein, die Engin Baran* erzählt, mag dies erläutern:
"In manchen Unternehmen gibt es Angestellte, deren vornehmste Aufgabe es ist, die anderen Mitarbeiter mit Erfrischungsgetränken, mit Tee oder mit Kaffee zu versorgen. In großen Firmen kann es vorkommen, dass ein sogenannter 'Teejunge' ausschließlich für die Geschäftsleitung bzw. den Geschäftsführer zuständig ist.
In solch einer Firma wurde ein neuer Geschäftsführer eingestellt. Es war ihm ein großes Anliegen, die innerbetriebliche Kultur in seinem Haus zu verbessern. Als Chef war er um seine Mitarbeiter sichtlich bemüht. So sparte er nicht daran, mit seinen Angestellten auch ein privates Wort zu wechseln. An dem, was sie bewegte, war er aufrichtig interessiert. Mit seiner "menschlichen Art" war er schnell sehr beliebt. Und das Arbeitsklima im Unternehmen verbesserte sich.
Nur mit seinem Teejungen - da wollte es ihm nicht gelingen, "warm" zu werden. Der servierte ihm morgens und mittags seinen Kaffee und Tee und sein Wasser und sein Gebäck. Stets korrekt, aber distanziert, reserviert und unterkühlt. Das freundliche Lächeln seines Chefs erwiderte er nicht. So sehr sich der Geschäftsführer auch bemühte, seinen Teejungen in eine freundliche Konversation zu verwickeln, er bekam immer nur einsilbige Antworten zurück - jahrelang. Der Chef war schon dabei, sich mit der seltsamen Art eines Teejungen abzufinden, als eines Tages ein Freund zu Besuch kam. Dem schilderte er seine Verlegenheit.
Der Freund sagte ihm über den Teejungen: 'Emotional zugewandt zu sein, das ist eine Sache. Die machst du mit deinen Mitarbeitern schon gut. Aber um einen anderen Menschen wirklich begreifen zu können, musst du dich tatsächlich einmal auf seinen Platz setzen, dich in ihn hineinversetzen.'
Als der Freund wieder weg war, rief der Geschäftsführer seinen Teejungen, stand auf und sprach zu ihm: 'Hör mal, ab jetzt bin ich der Teejunge. Und du bist mein Chef. Setz dich auf meinen Sessel! Und ich bringe dir deinen Tee.'
Er ging auf den sichtlich erstaunten Teejungen zu, nahm ihm sein Tablett aus der Hand und ließ ihn auf dem Chefsessel Platz nehmen.
'Nun sag mir, was du von mir willst', sprach der Geschäftsführer zu ihm. Der Teejunge zögerte. Denn er wusste nicht, wie ihm geschah. 'Setz dich auf meinen Platz, und sag mir, was du von mir willst' wiederholte der Chef.
Obwohl der Teejungen nicht wirklich verstand, worauf er sich einließ, sprach er: "Was soll ich schon wollen? Mach mir einen Kaffee!'
Sofort drehte sich der Geschäftführer zur Tür. Und als er hinaustreten wollte, rief ihm der Teejunge mit einem verschmitzten Lächeln nach: "Mach dir auch einen Kaffee! Und lass uns den Kaffee gemeinsam trinken!'
Soweit die Geschichte: Um einen anderen Menschen zu begreifen, muss man sich in ihn hineinversetzen, sich mit ihm identifizieren und das, was ihn wirklich bewegt, mit ihm teilen. Das ist Bezogenheit."

Im ROMPC® ist die professionelle Beziehung der Ort, an dem heilsame, das heißt: korrektive Erfahrungen gemacht werden können - in wechselseitiger Bezogenheit. Denn durch Beziehung sind wir krank geworden. Also werden wir auch durch Beziehung wieder gesund!

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*
modifiziert nach:
Engin Bara,
Employer Branding.
Komm zu uns, bleib bei uns, binde dich an uns - so bauen Sie eine starke Arbeitgeber-Marke auf,
Wiesbaden 2018, Seite 19

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